Die Sage von der Weißenwasserkirche

Viele Sagen und Märchen enthalten einen Hauch von Wahrheit, der vermutlich
aufgrund der jahrhundertelangen mündlichen Überlieferungen erhalten geblieben ist.

Dies gilt auch für die nachstehend wiedergegebene Sage

von der Entstehungsgeschichte der Weißenwasserkirche, die von G. Schambach
und Prof. W. Müller unter der Überschrift,,Hünen tragen Kirchen fort"
aufgeschrieben und somit überliefert wurde:

,,In alten Zeiten hat es Hünen gegeben, die sind von so gewaltiger Größe
gewesen, wie es heut zu Tage gar keine Leute mehr gibt.

Da sind einmal zwei Hünen von Uslar hergekommen, haben eine ganze
Kirche auf eine eiserne Bahre genommen und aus dem Sollinge nach dem
Weißen Wasser bei Kalefeld getragen. Als sie nun damit bei Hohnstedt an
die Leine kommen, da spricht der vordere zu dem hinteren, welcher blind
war:

dau en beten wie strie (Schritte),
hier is 'ne kleine rie (Rinne),

die - Leine war aber an dieser Stelle gerade ziemlich breit. -Sie gehn
hinüber und wandern von da an weiter dem Weißen Wasser zu. Als sie bei
diesem angekommen sind, sprechen sie zueinander: wir wollen hier erst ein
wenig rasten und stellen die Bahre hin. Als sie dieselbe aber wieder aufnehmen
wollen, zerbricht sie, sinkt in den Boden und bildet so das Fundament
der Kirche, welche die beiden Hünen da stehen lassen musten.
Auf diese Weise ist die Kirche dahin gekommen und steht daselbst noch
bis auf den heutigen Tag."

Anmerkung: Zu den in der Sage erwähnten Orten laßt sich folgendes feststellen:
Die Christianisierung des Leine-und Auetales erfolgte wahrscheinlich vom
Kloster Corvey (Solling). Die Ortschaft Hohnstedt wurde bereits sehr früh
als Sitz eines Erzpriesters (später Superintendentur) erwähnt und war zeitweise auch fürWeißenwasser zuständig.