Kalefeld

Die Ortschaft Kalefeld wurde im Jahre 889 erstmalig urkundlich erwähnt. Kaiser Arnulf von Kärnten schenkte damals Güter in Kalefeld (Halafeld) an den Liesgau-Grafen Adalgar. Diese Güter gehörten zu den fränkischen Forsthöfen in Kalefeld und Wulften und ermöglichten einen intensiven Landausbau.

Ab 1283 findet man den Ortsnamen in verschiedenen Urkunden mit den Schreibweisen "Calefelde-Calevelde-Calfelde-Kalvelde und schließlich ab 1784 fast durchgehend als Calefeld.

Professor Jürgen Udolph (früher Uni Leipzig) deutet den Ortsnamen nach der alten Schreibweise "Chalafeld" als altnordisch. Danach bedeutet der Begriff "kalt sein/frieren", evtl. auf die "Aue" als Fluss bezogen und das Feld auf die Aue bezogen, also "Feld am kalten Wasser".

Die Schreibweise des Ortsnamens hat auch in den nachfolgenden Jahren mehrfach Veränderungen erfahren, bis der "Präsident des Preussischen Landesamts in Berlin" in einem Erlass am 28. Juli 1926 darauf hingewiesen hat, dass im "Amtlichen Gemeindelexikon für die Provinz Hannover" der Orts- und Gemeindename Kalefeld mit K im Anlaut geschrieben worden sei, weil er germanischen Ursprungs sei und diese Schreibform der deutschen Sprache entspreche. Um Zweifel auszuräumen sollte der Landkreis Osterode a.H. die Festsetzung der einheitlichen Schreibform mit dem Anfangsbuchstaben K beantragen. Der Regierungspräsident in Hildesheim hat daraufhin am 11. Oktober 1926 diese Schreibweise amtlich bekanntgegeben.

Die Wüstung Weißenwasser

Weißenwasser ist eine Wüstung bei Kalefeld. Sie hieß nach dem wegen seines kalkhaltigen Wassers so genannten Weißenwasserbach.

Die urkundliche Ersterwähnung, die auf die Weißenwasserkirche bezogen ist, geht auf Luitpold I. zurück. Man geht davon aus, dass das Dorf in der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört wurde. 1560 ist erstmals eine Ölmühle dokumentiert. Sie gehörte zum Alten Amt Westerhof. In der Kurhannoverschen Landesaufnahme wurde sie erfasst. Am 12. September 1899 brannte sie ab. An ihrer Stelle errichtete man ein Gebäude, in welches Heimatvertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg einzogen und dort bis in die 1960er Jahre wohnten. Seitdem ist der Ort wüst; erhalten blieb ein Mühlstein.

Die Ölmühle am Weißenwasser

Die „Ölmühle am Weißenwasser“ war neben der Weißenwasserkirche das letzte erhaltene Gebäude der kleinen Ortschaft Weißenwasser; die übrigen – bis auf das Pfarrhaus und die Opperei – sind vermutlich bereits während der Hildesheimer Stiftsfehde (1518 – 1523) zerstört worden.

 Über die Ursprünge der Ölmühle liegen bisher noch keine Unterlagen vor. Jedoch ist es offensichtlich, dass das Wasser aus der Weißenwasserquelle so reichhaltig floss, dass damit ein Mühlenantrieb möglich war. Spätere Aufzeichnungen verweisen darauf, dass auch eine Säge betrieben wurde. Die Wasserkraft soll ausgereicht haben, „dass damit die stärksten Stämme geschnitten werden konnten“.

 Wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist über die Ölmühle in fast jeder noch vorhandenen Aufzeichnung ein Hinweis zu finden. Der erste namentliche Hinweis findet sich im „Westerhöfer Lagerbuch“ aus dem Jahre 1560. Zu dieser Zeit war der Ölmüller Moritz Uden der Besitzer. Nach den Kopfsteuerbeschreibungen von 1686 und 1689 war Hans Printz in diesen Jahren Besitzer oder Pächter. Als Berufsbezeichnung wurde „Ölmüller und Zimmermann“ angegeben. Neben seiner Frau und 3 Kindern lebte auch noch der Bruder mit seiner Frau in der Ölmühle.

 Die Karte der „Kurhannoverschen Landesaufnahme“ aus dem Jahre 1784 hebt den Bereich um die Ölmühle besonders heraus. An der Darstellung kann man erkennen, dass noch weitere Gebäude und Gärten vorhanden waren. Im Jahre 1850 pachtete der aus Langenholtensen stammende Georg Bierwirth die Ölmühle und erwarb sie 1884. Nach seinem Tode führte zunächst die Witwe den Betrieb weiter, bevor ihn 1890 der Sohn Theodor Bierwirth übernahm. Zu dieser Zeit erzielte man neben Erträgen aus der Säge- und Getreidemühle sowie der
Landwirtschaft bereits Einnahmen durch die florierende Gastwirtschaft. Das große zweigeschossige Fachwerkgebäude war im Wohnteil mit Schieferplatten behängt, während der Scheunenteil mit Feld- und Lehmsteinen ausgefacht war. Links neben der Haustür befand sich die Gaststube. In den Saal oberhalb der Scheune gelangte man über die Haustreppe im Wohnteil. Während der Sommerzeit wurden Bänke unter den Bäumen aufgestellt, und es sollte Kurbetrieb aufgenommen werden. Anmeldungen für den Sommer 1900 lagen bereits vor.

 Am 12. September 1899, gegen 10.30 Uhr, machte ein Großfeuer, das sämtliche Gebäude zerstörte, diese Pläne zunichte. Man vermutete, dass das Feuer durch Brandstiftung entstanden war. Der Täter konnte jedoch nicht ermittelt werden. Theodor Bierwirth verzichtete auf den Wiederaufbau und übersiedelte nach Dögerode. Vielleicht hat zu diesem Entschluss beigetragen, dass nach einem Bericht in der Osteroder Kreis-Zeitung „die Gebäude zum Theil nur mit 3/4 ihres Werthes bei der Vereinigten landschaftlichen Brandkasse zu Hannover gegen Feuersgefahr versichert gewesen sein sollen“.

 Der am 25.12.1898 geborene Sohn Robert Bierwerth war der letzte in Weißenwasser geborene Einwohner. Aus den Überresten der Ölmühle errichtete man ein kleines Gebäude, in dem eine Getreidemühle und eine Holzschneiderei betrieben wurden.

 Nach dem 2. Weltkrieg nutzte man dieses Gebäude zu Wohnzwecken, außerdem befand sich hier ein kleines Fahrradgeschäft. Bis Mitte der sechziger Jahre lebte die schlesische Familie Hummler in dem alleinstehenden Häuschen am Weißenwasser.

 Als die Gemeinde Kalefeld in den Jahren 1963/64 einen Wasserhochbehälter bauen wollte, verkaufte die Familie Bierwerth das Gelände. Das kleine Häuschen wurde kurz darauf abgerissen. Zur Erinnerung an die Ölmühle hat der Heimatverein, in Abstimmung mit dem Ortsrat und unter der Mithilfe einer britischen Pioniereinheit, den erhalten gebliebenen Mühlstein auf dem Parkplatz vor dem Wasserwerk aufstellen lassen.